Gemeinsam Lösungen für Sachsens Arbeitsmarkt entwickeln
Wie kann Erwerbsmigration so gestaltet werden, dass internationale Fachkräfte nicht nur nach Sachsen kommen, sondern auch langfristig bleiben? Diese Frage stand am 7. September 2026 im Mittelpunkt des Fachtags „Erwerbsmigration gestalten – Wirtschaft, Wissenschaft, Praxis und Politik im Dialog“ im Neuen Rathaus Leipzig.
Akteur*innen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Praxis und Politik kamen zusammen, um aktuelle Herausforderungen der Erwerbsmigration zu diskutieren und konkrete Lösungsansätze zu entwickeln. Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur die Perspektiven von Unternehmen und Institutionen, sondern auch die Erfahrungen internationaler Fachkräfte.
Vom Matching bis zum Bleiben
In vier Fachforen wurde deutlich, dass erfolgreiche Erwerbsmigration an vielen verschiedenen Stellen ansetzen muss.
Im ersten Fachforum ging es um Match und Mismatch auf dem Arbeitsmarkt. Internationale Fachkräfte bringen häufig bereits wertvolle Berufserfahrung mit. Gleichzeitig erschweren Sprachbarrieren, unterschiedliche Qualifikationen und fehlende Informationen den Einstieg in den sächsischen Arbeitsmarkt. Deutlich wurde: Unternehmen können viel dazu beitragen, Potenziale zu erkennen und zu nutzen, etwa durch Sprachförderung, gute Einarbeitung und das Etablieren einer offenen Willkommenskultur im Unternehmen.
Das zweite Fachforum widmete sich der Frage, wie zeitgemäß das Anerkennungssystem ist. Die Diskussion zeigte, dass die berufliche Anerkennung nach wie vor eine wichtige Funktion hat. Neben der Notwendigkeit im Visaverfahren, schafft eine Anerkennung Transparenz für die Einordnung der Qualifikation im betrieblichen Alltag. Somit sichert sie berufliche Perspektiven und leistet damit einen Beitrag zur qualifikationsadäquaten Beschäftigung. Damit ist die berufliche Anerkennung ein wichtiger Baustein für die Wertschätzung von Mitarbeitenden und kann zur langfristigen Bindung beitragen. Gleichzeitig bestehen Hürden durch teilweise lange und kostenintensive Verfahren. Zur Vereinfachung und Beschleunigung der Verfahren wird die Digitalisierung der Prozesse vorangetrieben.
Ein zentrales Thema des dritten Forums war Bürokratie als Standortfaktor. Unternehmen und Fachkräfte brauchen in diesen sehr komplexen Verfahren verlässliche Informationen und vor allem Planbarkeit: Wann kann eine internationale Fachkraft ihre Arbeit aufnehmen? Wo muss welcher Antrag gestellt werden? Wie lange dauert das Verfahren? Unterschiedliche Zuständigkeiten, fehlende Transparenz und uneinheitliche Prozesse erschweren die Planung. Digitalisierung, bessere Vernetzung der beteiligten Stellen und verständliche Informationen wurden daher als wichtige Stellschrauben benannt. Gleichzeitig muss Bürokratieabbau mit einer rechtssicheren Prüfung vereinbar bleiben. Die ABH Leipzig könnte als best-practice-Beispiel für die Umsetzung der digitalen Prozesse auf andere ABHn übertragen werden.
Das vierte Fachforum nahm schließlich die langfristige Bleibeperspektive in den Blick. Dabei wurde deutlich: Ankommen beginnt bereits mit der Rekrutierung und endet nicht mit dem Arbeitsvertrag. Wertschätzung, ein gutes Betriebsklima, Sprachförderung, Unterstützung beim Familiennachzug und soziale Kontakte beeinflussen maßgeblich die Entscheidung, ob Menschen langfristig bleiben. Buddy-Systeme, betriebliche Sprachmentor*innen und niedrigschwellige Freizeit- und Vernetzungsangebote stellen einen großen Mehrwert für neue Kolleg*innen aus dem Ausland dar. Unternehmen müssen hier frühzeitig die Verantwortung für ihre Mitarbeitenden übernehmen und ein Verständnis für diese Prozesse entwickeln, damit die Integration auf allen Ebenen gelingen kann. Viele Beratungsangebote unterstützen Unternehmen bei diesen Aufgaben.
Erwerbsmigration ist eine gemeinsame Aufgabe
Über alle vier Fachforen hinweg wurde deutlich, dass es keine einzelne Maßnahme gibt, die alle Herausforderungen lösen kann. Erfolgreiche Erwerbsmigration braucht ein Zusammenspiel aus guten Rahmenbedingungen, funktionierenden Verfahren und engagierten Unternehmen.
Besonders wichtig sind dabei verlässliche Strukturen, verständliche Informationen und eine bessere Vernetzung der beteiligten Akteur*innen. Gleichzeitig braucht es auf betrieblicher Ebene die Bereitschaft, Verantwortung für das Ankommen internationaler Mitarbeitender zu übernehmen.
Denn die Entscheidung für oder gegen ein langfristiges Leben in Sachsen hängt nicht allein vom Arbeitsplatz ab. Sie wird auch durch alltägliche Erfahrungen geprägt: durch Wertschätzung im Unternehmen, durch Begegnungen, durch die Möglichkeit, soziale Kontakte aufzubauen, und durch die Erfahrung, willkommen zu sein.
Der Fachtag hat gezeigt: Sachsen hat viele engagierte Akteur*innen und gute Ansätze. Jetzt gilt es, diese stärker miteinander zu verbinden und gemeinsam weiterzuentwickeln.
Ein herzliches Dankeschön gilt allen Referent*innen, Moderator*innen, Impulsgeber*innen und Teilnehmenden für ihre Expertise, ihre Erfahrungen und die offenen Diskussionen. Der intensive Austausch hat wichtige Impulse geliefert, um Erwerbsmigration in Sachsen zukunftsfähig zu gestalten.








