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Robert Czajkowski im Interview, seit 2020 CEO bei Terrot

„new textile horizons“ ist die neue Leitlinie der Terrot GmbH. Der Maschinenbauer mit Sitz in Chemnitz engagiert sich bei Wirtschaft für ein Weltoffenes Sachsen seit seiner Gründung im Jahr 2016. Andreas von Bismarck hat bis 2019 an die Geschicke des Vereins als Vorstandssprecher maßgeblich geprägt. Eine vereinstechnische Innovation, die nachwirkt.

Das Erkunden von neuen Anwendungsmöglichkeiten und technischen Lösungen haben bei Terrot eine lange Tradition. Das Ziel in Forschung & Entwicklung ist es, aktuelle Markttrends aufzugreifen und sie kundenrelevant in innovative Produkte umzusetzen. Dabei stehen Qualität, ein Maximum an Wirkungsgrad, ein hohes Kosten- und Nutzen-Verhältnis und die Flexibilität in der Anwendung im Vordergrund der Konstruktion der Rundstrick-Maschinen. Die Kunden von Terrot schätzen den Vorsprung an Erfahrung, technischem Know-how und die Kompetenz. Made in Germany übersetzen viele Kunden eher in Made by Terrot. 

2020 folgten Dirk Lange und Robert Czajkowski in der Geschäftsführung auf Andreas von Bismarck. Wir haben die Gelegenheit genutzt, um mit Robert Czajkowski zu sprechen. Er verantwortet bei Terrot als CEO die Marktseite mit Vertrieb und Marketing sowie Forschung & Entwicklung.

Robert Czajkowski, Sie sind Jurist mit Staatsexamen. Was verbindet die Juristerei und den Maschinenbau?

Entgegen dem Grundsatz „iudex non calculat“ hat die Juristerei mit der Mathematik viel Ähnlichkeit. Das fängt schon mit der Systematik im Aufbau des Studiums an sowie bei der zwingend systematischen Herangehensweise bei den Hausarbeiten oder fallbasierten Klausuren. Bei der klassischen Arbeit des Juristen geht es um das präzise Abwägen von Argumenten mehr (… Fortführung auf Website) und um anspruchsvolle Logik. Der Weg zu den Naturwissenschaften und zur Ingenieurskunst im Maschinenbau ist kurz. Es war also wenig verwunderlich, dass mein erster Besuch bei Terrot mein Herz höher schlagen ließ und ich beim präzisen Surren der Rundstrick-Maschinen die Liebe zum Maschinenbau entdeckte. 

Ihr Berufsweg führte Sie in viele Länder – gab es Lieblingsstationen?

Der Reichtum der Kulturen auf der Welt ist unerschöpflich. Jedes Land, jede Kultur bietet ganz unterschiedliche Facetten. Andere Kulturen fordern uns heraus, uns darauf einzulassen und verschiedene menschliche Verhaltensweisen zu verstehen. Vielleicht können wir Gutes übernehmen oder Verbesserungswürdiges ändern. Wer neugierig ist und offen in die Welt blickt, wird überall tolle Erfahrungen machen. So geht es mir heute noch. Europa, Amerika, Asien oder meine Heimat Polen waren in den unterschiedlichen Lebensphasen immer mein jeweiliger Lieblingsort.

Jetzt also Chemnitz – man spricht von einer unentdeckten Perle?

Chemnitz ist eine wirkliche Superstadt. Sie erinnert mich an meine Heimatstadt Warschau und ist mir deshalb von Anfang an extrem vertraut in vielerlei Hinsicht. Die Brüche der Stadt sind an vielen Stellen in einer Mischung aus alter Herrlichkeit und neuen Initiativen erkennbar. Die Chemnitzer schöpfen aus dem historischen Erfahrungsschatz für Weiterentwicklung und Wiederbelebung und aus dem Fundus von Wissenschaft, Kultur und nicht zuletzt einer florierenden Industrie.  

Dass sich die Chemnitzer die Aufbruchstimmung der Wendejahre erhalten haben, sieht man an der erfolgreichen Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas. Ein nahezu unbegrenzter Gestaltungsspielraum für diesen Rohdiamanten und eine tolle Chance, die Stadt zu entwickeln und ihr Potenzial auch international zu heben. 

Zurück zu Made by Terrot – welche Produkte entstehen aus den Rundstrickmaschinen?

Das Spektrum ist enorm breit. Wir erleben gerade in manchen Regionen eine Verschiebung vom Weben zum Stricken. Das hat zum einen preisliche Gründe und zum anderen zeichnen sich Gestricke durch eine größere Flexibilität aus. Hinzu kommt, dass sich die Bedürfnisse der Konsumenten ändern. Der Konfektionsmarkt folgt dem Trend der bequemen Kleidung, der Sportswear-Bereich verlangt nach funktionalen Eigenschaften. Dafür eröffnet die Rundstrickerei vielfältige Anwendungsmöglichkeiten. Darüber hinaus entstehen mit unseren Maschinen technische Gestricke für den Automobilbau, die Bauwirtschaft oder die Medizintechnik, um nur einige zu nennen. Ganz viele Materialien können durch Gestricke ersetzt werden – dazu braucht es unsere Maschinen. Unsere Kunden in die Lage zu versetzen, mit unseren Maschinen in ihrem Segment „neue textile Horizonte“, d.h. innovative, bisher unerreichte Produktlösungen zu realisieren, ist die Triebfeder unserer Arbeit.

99 % Ihrer Produktion wird im Ausland eingesetzt – der viel gelobte Ideenreichtum der Sachsen ist also ein Exportschlager?

Bei uns geht es um klassischen Maschinenbau. Unsere Kernmärkte sind Asien, Lateinamerika, Indien, Usbekistan, die Türkei oder Brasilien. Es sind 120 Länder, in die wir regelmäßig exportieren und immer ist Qualität, Produktivität und Verlässlichkeit gefragt. Dabei profitieren wir von der hervorragenden Kompetenz unserer Mitarbeiter und von der exzellenten wissenschaftlichen Expertise hier in Chemnitz und in Sachsen mit den einschlägigen Forschungseinrichtungen von Fraunhofer über die Technischen Universitäten bis hin zum Textilforschungsinstitut. Das ist Anspruch und Privileg gleichermaßen. Wir erwarten einen nachhaltigen Transformationszyklus hin zu mehr Zusatzleistungen und stark geprägt von der Digitalisierung, den wir aktiv mitgestalten möchten. Bei der Weiterentwicklung unserer Maschinen, gerade im Softwarebereich, sind wir auf Zusammenarbeit mit externen Partnern angewiesen.

Wir bauen hochproduktive Maschinen, deren Qualität weltweit anerkannt ist. Dabei legen wir besonderen Wert auf eine hohe Anpassungsfähigkeit und die Flexibilität in der Verwendung beim Kunden. Terrot-Maschinen können nicht nur ein Gestrick abbilden, sondern leicht mehrere Gestrickarten. Im Hochpreis-Segment kommt die Vielfältigkeit von Mustern hinzu, von Lochstrukturen über 3D-Aplikationen bis zu Hologrammen. Für unsere Kunden bedeutet das eine sehr schnelle und breite Reaktionsfähigkeit auf die Bedürfnisse des Marktes.

Terrot hat wie die gesamte Textilbranche eine bewegte Geschichte mit zum Teil einschneidenden Veränderungen durchlebt. Auch die jüngste Geschichte mit der Verschmelzung der Unternehmen aus Baden-Württemberg und Chemnitz zeigt die hohe Anpassungsfähigkeit und Offenheit der Mitarbeiter – ein Team, mit dem man erfolgreich Innovationen stricken kann! 

Apropos Team – wie bunt gehts in der Terrot-Kantine zu?

Die Mehrzahl der Mitarbeiter sind in der Region stark verwurzelt und das ist der Speiseplan in der Kantine meistens auch. Bei uns arbeiten alteingesessene Chemnitzer mit West-Rückkehrern, mit Kollegen aus anderen deutschen Gegenden ebenso zusammen wie mit Italienern oder Syrern. Und sie sind stolz auf IHR Familienunternehmen. Der Geist der Weltoffenheit und des gegenseitigen Respektes zieht bei uns durch die Werkhallen, durch die Büros und auch durch die Kantine, wenn z.B. Kebab aufgetischt wird. Das vielfältig zusammengesetzte Team sehen wir als Differenzierungsmerkmal und als Erfolgsfaktor gleichermaßen. 

Terrot ist Gründungsmitglied im Verein Wirtschaft für ein Weltoffenes Sachsen – wie wichtig ist dieses Engagement?

Die Aktivitäten des Vereins werden bei Terrot mit großem Interesse wahrgenommen. Wir bieten als Unternehmen die Klammer für das Engagement jedes Einzelnen im Unternehmen. Es sind die Menschen bei Terrot, die ein natürliches Selbstverständnis haben, sich zu artikulieren. Besonders dann, wenn Tendenzen den eigenen Ansichten widersprechen und wenn sie der Region Sachsen schaden. Dieses Bedürfnis unserer Mitarbeiter hat Andreas von Bismarck für sein Engagement im Verein aufgenommen. In dieser Tradition sehe ich mich als Teil des Führungsteams bei Terrot und will gerne Impulse geben, das strategische Potenzial des Vereins weiterzuentwickeln und unser Netzwerk zu vergrößern.

Interview: Sylvia Pfefferkorn

www.terrot.de