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IM Rückblick: 14. April 2021 Der unterschätzte Wirtschaftsfaktor Migrantenökonomie

Eine Veranstaltung unseres langjährigen Partners Arbeit und Leben Sachsen e.V. mit Unterstützung der Landeszentrale für Politische Bildung 

 Am 14.04.2021 diskutierte die KAUSA-Servicestelle Leipzig gemeinsam mit Dr. Christoph Sajons, Institut für Mittelstandsforschung (ifm), der Unternehmerin Stefanie Farid, Inhaberin einer Maßschneiderei und dem Hotelmanager Felix Schwarm über das Thema Migrantenökonomie. 

Deutschlandweit hat etwa jede fünfte unternehmerisch tätige Person einen Migrationshintergrund; 2017 waren es 768.000. Der Anteil der sächsischen Unternehmen die von Menschen mit Migrationshintergrund geführt werden lässt sich statistisch nur schwer abbilden. Zumindest für Leipzig lässt sich feststellen, dass Ende 2019 rund zehn Prozent der Unternehmen einen ausländischen Betreiber hatten – eine bemerkenswerte Zahl, wenn man bedenkt, dass noch 2010 der Ausländeranteil in Leipzig bei unter fünf Prozent lag.

Anhand der Studie „Migrantische Ökonomie“, leitete Dr. Sajons von der Universität Mannheim mit einem Impulsvortrag die Veranstaltung ein. So steigt die Anzahl der ausländischen Unternehmen nicht nur deutlich an, sondern auch die Branchenstruktur ist im Begriff sich zu diversifizieren. Entgegen eines weit verbreiteten Klischees, sind von einhundert migrantengeführten Unternehmen in Deutschland nur 14 im Bereich Handel oder Gastgewerbe zu finden. Über ein Viertel der migrantengeführten Unternehmen bieten sogenannte wissensintensive Dienstleistungen an, wozu unter anderem Unternehmensberatungen, Versicherungen, Steuerberatungen oder Gesundheitsdienste zählen. Ebenfalls bemerkenswert ist auch der beschäftigungspolitische Beitrag der Unternehmen von Zugewanderten: Konservativ geschätzt stellen sie mindestens 3,4 Mio. Arbeitsplätze.

Im Verlauf der Diskussion streiften die Teilnehmenden ebenfalls das Thema der beruflichen Bildung. So bilden beide anwesenden Unternehmen in ihren Betrieben aus und schilderten ihre unterschiedlichen Herausforderungen dabei. Zum einen wird die engmaschige Betreuung der Auszubildenden immer wichtiger und zum anderen stellt die Ausbildung der Schneiderinnen und Schneider die Unternehmen zum Teil vor finanzielle Probleme. So befindet sich die zuständige Berufsschule in Dresden, was Fahrtkosten und in manchen Fällen auch Unterkunftskosten erzeugt. Darüber hinaus ist es über die Jahre hinweg schwieriger geworden geeignete Auszubildende zu finden.

Gegen Ende der Veranstaltung kamen die Teilnehmenden außerdem darauf zu sprechen, dass es notwendig sei, ausländische Gründerinnen und Gründer bei der Unternehmensgründung zu unterstützen, um sie in Sachsen zu halten. Die Überwindung sprachlicher oder bürokratischer Barrieren stelle eine erhebliche Einstiegsbarriere dar. Insgesamt spielt die sogenannte Migrantenökonomie eine immer größere Rolle für die deutsche und sächsische Wirtschaft und sollte daher stärker in den öffentlichen Fokus gerückt werden.

Wir bedanken und für die langjährige und kooperative Zusammenarbeit.