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GSA-CAD GmbH & Co. KG, Dresden

Glück im Unglück – GSA-CAD schafft Win-Win-Situationen

Der Erfolg eines Unternehmens lässt sich anhand vielerlei Parameter messen. Ganz gleich, welchen Maßstab man anlegt: Die GSA-CAD GmbH & Co. KG ist das, was man gemeinhin als erfolgreich bezeichnet. Dabei ist das keine Selbstverständlichkeit, denn der Spezialist für CAD-Konstruktions- und Zeichendienstleistungen kämpft seit jeher um qualifizierte Mitarbeiter/-innen.

Ansprechpartner

Lisa Wittig
Geschäftsführerin

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Pro Jahr bereichern weniger als ein Dutzend Absolventen der entsprechenden Berufsausbildung den Arbeitsmarkt im Raum Dresden. Zu wenig, um mit Fluktuation und Firmenwachstum Schritt zu halten. GSA-CAD sucht daher auch gezielt nach Mitarbeiter/-innen mit Nicht-Deutschen Wurzeln. Mit Erfolg.

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In Deutschland erfolgreich, multinational aufgestellt

Rund die Hälfte der Mitarbeiter/-innen bei GSACAD sind Deutsche, der andere Teil setzt sich aus 14 weiteren Nationalitäten zusammen. Die Belegschaft stammt bis auf Australien von allen Kontinenten der Welt: Aus dem Libanon, Libyen und Syrien; aus Spanien, Griechenland und Albanien, aus den ehemaligen Sowjetstaaten, Tibet und Venezuela sowie aus Kanada. Ein Geflecht, dass es sprachlich erstmal zu entwirren gilt. Denn auch wenn das Unternehmen multinational aufgestellt ist, die wichtigste Sprache bleibt Deutsch. Das liegt vor allem daran, dass GSA-CAD ausschließlich für den deutschen Markt arbeitet. Dies wiederum bedeutet, dass sämtliche Planungsunterlagen in deutscher Sprache verfasst werden müssen. Diese zu lernen, ist kein leichtes Unterfangen. Umso schwerer, je mehr Fachbegriffe es in einer Branche gibt.

„Das Thema Fachkräftemangel treibt die Wirtschaft um. Plötzlich waren dringend benötigte Fachkräfte verfügbar. Also war es nicht nur eine Chance, sondern auch unsere Aufgabe, diese Menschen zu integrieren.“
Im Job unverzichtbar, in Sprachkursen selten Thema – Fachbegriffe

Mit seinen vielen Ausnahmen und Sonderregelungen ist Deutsch eine Sprache, die sich nicht jedem sofort erschließt. Zudem sind Fachbegriffe in jeder Fremdsprache eine Herausforderung, die es zu meistern gilt. Und der Einfallsreichtum hiesiger Ingenieure findet sich auch im gesprochenen und geschriebenen Wort wieder. 

„Aus diesem Grund haben wir ein digitales, lebendiges Fachwörterbuch mit rund 1.000 Einträgen auf Deutsch, Arabisch und Englisch entwickelt“, so Markus Wulke. Der Sohn des Unternehmensgründers ist für die Öffentlichkeitsarbeit bei GSA-CAD zuständig und kümmert sich auch um das Thema Integration ausländischer Angestellter. „Den Grundstein bildet Sprache. Das nimmt nach wie vor die meiste Zeit in Anspruch. Doch in den Arbeitsalltag findet man nur, wenn man auch weiß, was man machen soll.“

Mittlerweile sind die Deutschkenntnisse derer, die GSA-CAD als Mitarbeiter/-innen gewinnen kann, jedoch deutlich besser als noch im Jahr 2015. Warum, erklärt Markus Wulke so: „Diejenigen, die jetzt zu uns kommen, sind schon ein bis zwei Jahre in Deutschland. Sie hatten oftmals schon Zeit, Sprachkurse zu besuchen, stehen dem Arbeitsmarkt aufgrund der Maßnahmen aber erst jetzt zur Verfügung.“

Integration – ohne Unterstützung kaum zu schaffen

Ein deutsches Sprichwort sagt, Zeit sei Geld. Dass das stimmt, erlebt auch Wulke immer wieder. „Ohne die Unterstützung von Staat und Ämtern wäre es nicht möglich, bis zu 75% nicht abrechenbare Arbeitsleistung abzufangen.“ Doch dies ist notwendig, da auch innerbetriebliche Abläufe erst noch gelernt werden müssen.

„Um dieses Engagement finanziell im Rahmen halten zu können, setzen wir unter anderem auf Eingliederungszuschüsse“, so der Unternehmer. Doch nicht nur finanziell haben die CAD-Spezialisten eine Lösung gefunden, auch personell sind sie gut aufgestellt. Insgesamt 5 Mitarbeiter/-innen umfasst die Personalabteilung. Sie setzen sich dafür ein, dass Beschäftigte fremder Nationen in Dresden all das bekommen, was sie für ein geordnetes Leben benötigen. Das ist nicht nur ein Job, sondern auch Wohnraum. Den stellt, zumindest befristet, das Unternehmen zur Verfügung. Und bei Umzügen hat auch der Chef höchstpersönlich mit angepackt. Diese Hilfe auf privater Ebene kann auch bedeuten, Behördengänge zu begleiten. „Um das Leben von Anfang an ordentlich zu organisieren, helfen wir beispielsweise auch bei der Ummeldung, dem Beantragen einer Steuernummer oder des Rundfunkbeitrags.“

Zwischen Recht und Gerechtigkeit

Neben den alltäglichen Dingen sind es vor allem besondere Schicksalsschläge, die Wulke und sein Team herausfordern. Die meisten seiner ausländischen Mitarbeiter/-innen haben einen Aufenthaltstitel. Damit haben sie die Erlaubnis, die nächsten drei bis fünf Jahre in Deutschland leben und arbeiten zu dürfen. Doch als die Politik den Libanon zu einem sicheren Herkunftsland erklärte, sollte einer der Kollegen abgeschoben werden. Der Fall ging vor Gericht, die Klage wurde jedoch abgewiesen und die Abschiebung festgesetzt. Wulke handelte und reichte den Fall bei der Härtefallkommission ein. Obwohl es sehr selten vorkommt, entschied die Kommission zugunsten des Mitarbeiters, er durfte bleiben. Positiv wurde angerechnet, dass er sich bereits im Vorfeld bereits um Vieles gekümmert hatte.

Wulke gibt sich mittlerweile kämpferisch: „Wir lassen uns nicht davon abschrecken, um unsere Mitarbeiter/-innen zu halten im Zweifelsfall auch vor Gericht gehen und klagen zu müssen.“

Haltung ja, Wertung nein

Dass GSA-CAD in Bezug auf dieses Thema die Öffentlichkeit nicht scheut, war nicht immer so. „Gerade anfangs war es eine Gratwanderung“, erinnert sich Markus Wulke. Die Kommunikation war zurückhaltend, und das aus gutem Grund: „Wir wissen, dass unser Engagement von einigen Mitmenschen nicht verstanden und akzeptiert wird. Und es gab eine Zeit, in der wir nicht wussten, ob unsere Glasscheiben noch intakt sind, wenn wir morgens auf Arbeit kommen.“ Passiert ist bisher glücklicherweise noch nichts. Einem Grundsatz bleibt sich GSA-CAD jedoch treu:

„Wir lassen uns und unser Engagement von keiner Seite instrumentalisieren. Zu politischen Entscheidungen haben wir persönliche Meinungen, aber als Unternehmen werten wir nicht.“

Damit nimmt das Dresdner Unternehmen Kritikern Angriffsfläche und trägt dazu bei, die Diskussion um Migrierende auf Sachebene zurückzuführen. „Uns ist es wichtig, die Thematik auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten. Ein klares Statement geben wir durch unsere internationale Belegschaft ab: Wir sind weltoffen, wir sind tolerant!“

Gegenseitiges Verständnis ist nicht selbstverständlich

Es ist weder ein Geheimnis noch verwunderlich, dass das Verständnis untereinander ab einer bestimmten Diversität leidet. Um dem entgegenzuwirken, haben die Mitarbeiter/-innen der Personalabteilung Integrationskurse besucht. Mittlerweile sind sie zu Integrationsbegleitern ausgebildet. Doch damit nicht genug: Unter Anleitung entsprechender Dozenten hat sich die Belegschaft in mehreren Workshops mit den unterschiedlichen Kulturen auseinandergesetzt.

Eine Maßnahme, die den Unternehmenszusammenhalt stärkt, wie Markus Wulke resümiert. Letztlich führt dies auch dazu, dass es trotz vieler unterschiedlicher Nationalitäten und Kulturen kaum Konfliktpotential gibt. Denn alle Beteiligten wissen, „dass sie in einer offenen Gesellschaft angekommen sind, in der andere respektiert und geachtet werden.“ Wulke weiter: „Feindseligkeiten innerhalb der Belegschaft gibt es keine. Das wäre auch absurd, denn viele der Geflohenen wurde wegen ihres Glaubens verfolgt oder sollten aufgrund von kriegerischen Auseinandersetzungen oder tatsächlichen Kriegen zum Militärdienst eingezogen werden.“ Das führt unter Umständen dazu, dass der beste Freund von heute auf Morgen zum Feind erklärt wird. „Um diesem Dilemma zu entgehen, haben viele das Land verlassen und möchten sich hier Stück für Stück eine neue Zukunft aufbauen.“

Gemeinsam für eine weltoffene Wirtschaft in Sachsen

Die Mitgliedschaft der GSA-CAD GmbH & Co. KG im Verein Wirtschaft für ein weltoffenes Sachsen e. V. möchte Markus Wulke als klares Signal verstanden wissen. Damit verbunden ist der Wunsch, an einem Strang zu ziehen. Denn das klare Bekenntnis zu Weltoffenheit und Toleranz ist ein wichtiger Baustein bei der Rekrutierung von Fachkräften. Ein Thema, dass die meisten Wirtschaftsakteure umtreibt und auf politischer Ebene umso mehr Gehör findet, je mehr mit einer Stimme gesprochen wird. 

Der Verein ermöglicht es, Netzwerke auch jenseits des eigenen Tätigkeitsfeldes zu knüpfen und zu nutzen. Besonders den Austausch mit anderen Akteuren schätzt Markus Wulke. „Es wird immer wieder Rückschläge geben, das darf man nicht verheimlichen. Aber für uns war es richtig, diesen Weg zu gehen.“


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